Warum wir die falsche Diskussion führen
Mittwoch, 24. Februar 2010
Dazu kommt, dass die Arbeitslosenzahl falsch ist. Die ist mehrfach durch Kunstgriffe nach unten korrigiert worden. Ich vermute, dass die von Dir genannte Zahl verdoppelt werden könnte.
ABER: Wer sagt, dass Vollbeschäftigung das richtige Modell ist?
Hintergrund der Frage: Vor 100 Jahren hat man sich gewünscht, weniger arbeiten zu können, um das Leben finanzieren zu können. Bei vernünftigen Löhnen und Abgaben würde heute auch eine halbe Stelle reichen.
Genau das ist die richtige Diskussion.
Natürlich hast du recht, die Zahlen sind geschönt. Aber dass selbst die offiziellen Zahlen klar machen, dass es eben nicht einfach nur mehr Druck auf die faulen Arbeitslosen bedarf damit wir wieder Vollbeschäftigung haben, das ist der Punkt.
Wir brauchen ein Modell, das Arbeitslosigkeit vorsieht und diese dann auch gesellschaftlich akzeptiert oder das darauf reagiert, indem, wie du vorgeschlagen hast, die Arbeitszeiten aller reduziert werden und so künstlich Arbeitsplätze entstehen.
Da stimme ich Dir zu 100% zu.
Meiner Meinung nach ist eine Grundvoraussetzung für ein funktionierendes System, dass ein Vollverdiener seine Familie ernähren können muss, ohne auf Hilfeleistung vom Staat in Form von Wohnungsgeld beispielsweise angewiesen zu sein.
Wahrscheinlich stimmt das. Es würde bedeuten, dass wir den Mindestlohn endlich brauchen.
Aber ich glaube, dass das alleine nicht reicht. Das würde all denen helfen, die im Niedriglohnsektor arbeiten, aber wir hätten immer noch unsere 5 Millionen Arbeitslose, die stigmatisiert werden, denen Zwangsarbeit angedroht wird.
Nein, alleine reicht das sicher nicht.
Es ist meiner Meinung nach auch an der Zeit, einzusehen, dass 1-Euro-Jobber für Vollzeit-Arbeit missbraucht werden (ich habe neulich von einem 1-Euro-Busfahrer gelesen).
Was aber meiner Ansicht nach auch auf die Arbeitslosen zukommt, ist die Bereitschaft zur Mobilität. So doof das ist, wir müssen Job-Nomaden werden.
Es gibt Gegenden in Deutschland, in denen Vollbeschäftigung herrscht. Ich bin in die Schweiz gegangen, weil ich in Deutschland keinen Job gefunden habe ...
Vielleicht ist es auch ein Konzept die Anzahl der Jobs für eine Partnerschaft oder Ehe auf 1.5 zu begrenzen.
An dem Vorschlag merkst Du vielleicht, dass ich auch denke, dass gewohnte Pfade verlassen werden müssen.
Wobei auch hier wichtig ist: Die Zahlen machen klar, dass Mobilität der Arbeitssuchenden das Problem nicht löst.
Ja und nein.
Rein nach Zahlen betrachtet, hast Du natürlich Recht.
In Familien, in denen Mann und Frau arbeitslos sind, müssen sich beide arbeitslos melden, um die nötigen Hilfen zu bekommen.
Wenn diese zwei von einer Region mit 25% Arbeitslosigkeit in eine Region mit 2.5% Arbeitslosigkeit ziehen, gibt es eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit, dass einer der beiden einen Job bekommt. Wenn der dann auch noch ausreichend gut bezahlt wird, besteht keine Not mehr und somit in vielen Familien auch nicht mehr die Notwendigkeit für zwei Verdiener.



Aufgenommen: Feb 24, 22:44
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